Gesteigerte Energieeffizienz in Unternehmen mit ISO 50001

ISO 50001 Ein starkes Umweltbewusstsein wird auch im Unternehmenskontext immer wichtiger. Dabei spielen vor allem ein verringerter Energieverbrauch und eine verbesserte Energieeffizienz zentrale Rollen. Doch wie genau können Unternehmen diese erzielen? Die Lösung ist ein systematisches Energiemanagement, mit dem Unternehmen ihren Energieverbrauch analysieren und aus der Analyse Ziele setzen können. Eine Anleitung für ein systematisches Energiemanagement gibt die internationale Norm ISO 50001.



Wie die Norm aussieht und welche Vorteile sie Ihrem Unternehmen bietet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist ein systematisches Energiemanagement?

Die Basis des systematischen Energiemanagements (EnMS) liegt auf den erfassten Energieflüssen eines Unternehmens und deren Bewertung. Unter Energieflüssen sind Energiequellen, -einsatz und -verbraucher zu verstehen. Ein EnMS analysiert den Energieverbrauch und plant Optimierungsmaßnahmen, die schließlich angewendet werden. Zudem sind die Überwachung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Verbesserungsmaßnahmen weitere wichtige Punkte eines systematischen Energiemanagements.

ISO 50001 – Energiemanagement mit System

ISO 5001 ist der internationale Standard für ein Energiemanagementsystem, der 2011 veröffentlich wurde. Die weltweitgültige Norm wurde von der International Organization for Standardization (ISO) gestellt. Am 23. November 2018 ist die deutsche Fassung der ISO 50001:2018 erschienen (DIN EN ISO 50001_2018). Wie alle anderen internationalen Normen wird auch die ISO 50001 regelmäßig überprüft. So wird sichergestellt, dass sich die Norm schnell auf veränderte Bedürfnisse des Energiesektors einstellen kann.

ISO 50001

Abbildung 1: DIN EN ISO 50001 ist der internationale Standard für ein Energiemanagementsystem von Unternehmen.

Da die Norm sektorübergreifend ist, kann sie in den verschiedensten Unternehmen und Behörden eingesetzt werden. Einem Unternehmen ist dabei freigestellt, ob es das Energiemanagementsystem als eigenständiges Managementsystem einführt oder in ein bereits bestehendes System integriert. Viele Unternehmen machen bspw. von einem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 oder einem Qualitätsmanagement nach ISO 9001 Gebrauch. Zudem ist die Zertifizierung kein Muss – jedes Unternehmen kann sich dafür oder dagegen entscheiden.

Vorteile eines systematischen Energiemanagements

Ein systematisches Energiemanagement trägt dazu bei, die Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisationen zu optimieren. Sie erhalten einen besseren Überblick über alle Prozesse und Verbräuche. Dadurch sind Sie in der Lage, schneller auf Veränderungen zu reagieren. Zudem werden Ihre Abläufe kontinuierlich an den Markt angepasst und optimiert, was zu einer Effizienzsteigerung und Kostensenkung führt. Die Kostensenkung führt wiederum dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens gestärkt wird. Neben Einsparungen von Energiekosten können mit einem EnMS nach ISO 50001 weitere Kosten und auch Zeit durch optimierte Abläufe eingespart werden.

Eine große Umweltfreundlichkeit und eine hohe Transparenz führen zu einem verbesserten Image Ihres Unternehmens. Die Zertifizierung ist ein Nachweis dafür, dass Sie in Ihrem Unternehmen auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit setzen und dies auch in Zukunft wichtig für Sie ist. Durch die Transparenz steigert sich auch das Vertrauen Ihrer Kunden, da Sie nahbarer und ehrlicher wirken. Schließlich stellt eine stabile Kundenbeziehung einen großen Erfolgsfaktor für Unternehmen dar. Zudem sind Unternehmen mit einem zertifizierten EnMS in der Lage, Fördermittel und gesetzliche Erleichterungen in Anspruch zu nehmen.

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Ziele

Die kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistung (auch „energy performance“) eines Unternehmens ist das Ziel eines EnMS nach ISO 50001. Unter der energiebezogenen Leistung meint die ISO 50001 die messbaren Ergebnisse der Energieeffizienz, des Energieeinsatzes und des Energieverbrauchs. Dadurch steigert sich das Bewusstsein für Ressourceneffizienz eines Unternehmens. Die Norm beschreibt Anforderungen an Unternehmen, damit es ein Energiemanagement einführen und betreiben kann. Wenn ein Unternehmen die Anforderungen erfüllt, gelingt es ihm, seine Energieeffizienz zu erhöhen, während die Energienutzung optimiert wird.

Ein weiteres Ziel eines EnMS nach ISO 50001 ist die systematische Verbesserung des Energieeinsatzes, Energieverbrauchs und der Energieeffizienz, damit Prozesse optimiert werden können. Für optimierte Prozesse muss wiederum die Transparenz aller Energieströme im Unternehmen gewährleistet sein. So können Unternehmen „Energiefresser“ identifizieren und damit Einsparungspotenziale aufdecken. Dadurch leisten Unternehmen u. a. ihren Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Eine höhere Energieeffizienz führt zu einer besseren Energiebilanz, die wiederum zu einem geringeren CO2-Ausstoß führt. Dadurch verringern Unternehmen nicht nur ihren Energieverbrauch, sondern auch die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen.

So verläuft ein EnMS nach ISO 50001

Der Schwerpunkt eines EnMS nach ISO 50001 liegt auf dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess – da reicht es nicht aus, das System nur einmal zu implementieren. Das EnMS beruht auf dem Planung-Umsetzung-Überprüfung-Verbesserung-Zyklus (Plan-Do-Check-Act, oder auch PDCA). Der Zyklus wird bei der Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen und der Fehler-Ursachen-Analyse eingesetzt.

PLAN: Die Grundlage bilden die energetische Ausgangsbasis, die Energieleistungskennzahlen und die Energieziele. Mit diesen Daten und Bewertungen können Unternehmen die Potenziale ihrer Energieeffizienz identifizieren.

DO: In der DO-Phase handeln Unternehmen – sie streben also ihre Pläne an und setzen sie um.

CHECK: Damit auch alles nach Plan läuft, checken sie in dieser Phase ab, ob ihre Pläne zu dem gewünschten Ergebnis führen. Hier überwachen und messen sie die Kernprozesse und vergleichen die Ergebnisse mit den vorher festgelegten Zielen.

ACT: In der ACT-Phase bewerten Unternehmen die Ergebnisse und leiten aus ihnen neue Ziele ab, um das EnMS stets zu verbessern.

ISO 50001

Abbildung 2: Mit dem PDCA-Zyklus verbessern Sie stets Ihre Energieeffizienz.

Weitere ISO-Normen

Neben der ISO-50001-Norm existiert eine größere Palette an ISO-Normen, die in Ergänzung zu ISO 50001 entwickelt wurden. Die Zusatzdokumente sollen Anwender bei der Implementierung eines EnMS unterstützen und dabei helfen, ISO 50001 besser zu verstehen. Folgende weitere ISO-Normen gibt es:

ISO 50002 – Dieses internationale Energieaudit löst die europäische Norm DIN EN 16247 ab und dient als Hilfestellung zur Durchführung von Energieaudits.

ISO 50003 – Die Norm ISO 50003 richtet sich an Drittparteien, die die Zertifizierung und Auditierung von EnMS durchführen, da Unternehmen eine kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz nachweisen sollen.

ISO 50004 – Diese Norm beschreibt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (PDCA) und dient zur Prozessplanung des Energiemanagements bzw. -systemen nach DIN EN 50001.

ISO 50006 – Der Fokus liegt hier auf den Energieleistungskennzahlen und Ausgangsbasen, also der Ausarbeitung, Nutzung und Implementierung derer, damit die energiebezogene Leistung langfristig optimiert wird.

ISO 50015 – Hier befinden sich Vorgaben und Richtlinien zur Messung und Verifizierung von Energiedaten.

ISO 50047 – In diesem Zusatzdokument werden Methoden beschrieben, mit denen Unternehmen die Höhe ihrer Energieeinsparungen bestimmen können.

Fazit

Unternehmen haben mit einem EnMS nach ISO 50001 die Chance, „grüner“ zu werden und einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Für die Zertifizierung ist es wichtig, aufzeigen zu können, dass in dem Unternehmen eine kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz stattfindet. Mit der Norm identifizieren sie Energiefresser und können so den Energieverbrauch und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen mindern. Dadurch senken sie Kosten und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Ist auch Ihr Unternehmen fit für die Energiewende? Haben Sie bereits Erfahrungen mit Energiemanagementsystemen gemacht? Teilen Sie uns diese gerne in der Kommentarzeile unten mit. Wir freuen uns auf den Austausch.

FAQ

Was ist ein Energiemanagement?

Der Begriff Energiemanagement bezeichnet das Produkt verschiedener Maßnahmen und Strategien, mithilfe derer Energie beschafft, verteilt und genutzt werden kann. Die Basis liegt auf den erfassten Energieflüssen eines Unternehmens und deren Bewertung.

Warum ist Energiemanagement wichtig?

Mit dem Energiemanagement sichern sich Nutzer eine Steigerung der Energieeffizienz, welche wiederum dazu führt, dass Sie Ihre Energiekosten dauerhaft auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau halten können.

Was ist ISO 50001?

ISO 50001 ist der internationale Standard für das Energiemanagementsystem (EnMS). Da die Norm sektorübergreifend ist, kann sie in den verschiedensten Unternehmen und Behörden eingesetzt werden.

Welche Vorteile bietet ein systematisches Energiemanagement?

Es trägt dazu bei, die Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen zu optimieren. Mit Einsatz des Energiemanagements erhalten Sie einen besseren Überblick über alle Prozesse und Verbräuche und sind dadurch in der Lage, schneller auf Veränderungen zu reagieren.

Christian Jäger

Christian Jäger

Jeden Tag besser werden - daraus ziehe ich eine große Motivation. Ich brenne dafür, neue Strategien und Technologien kennen zu lernen und Projekte zum Erfolg zu führen. Das Wissen, welches ich jeden Tag erlange, gebe ich mit Begeisterung an andere Menschen weiter.

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