Christian Jäger
 - 2. Oktober 2020

Energie Community – Für eine grüne Stromversorgung

Energie Community Photovoltaik-Anlagen werden immer zugänglicher für Privatpersonen, wodurch immer mehr Haushalte zu ihren eigenen Energieversorgern werden. Damit zu viel produzierte Energie nicht verloren geht, werden Energiespeicher eingesetzt. So können Haushalte die Energie auch später verwenden. Mit einem sogenannten Energie-Community-Konzept (oder auch Strom Community) sind sie des Weiteren in der Lage, nicht gebrauchte Energie mit anderen Teilnehmern in der Nachbarschaft zu teilen.

Wie Haushalte ihre selbstproduzierte Energie mit Nachbarn teilen und wie eine Energie Community funktioniert, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist eine Energie Community?

Nehmen wir an, dass ein Haushalt über eine Photovoltaik-Anlage verfügt und somit in der Lage ist, seinen eigenen Strom zu produzieren. Wie es bei einer umweltbasierten Stromerzeugung normal ist, ist die Energieproduktion durch Sonnenenergie wetterabhängig. Für den Fall, dass die Sonne mal mehr oder mal weniger scheint, gibt es spezielle Speicher, die die produzierte Energie lagern und Verbraucher diese für später „aufheben“ können.

Energie Community

Abbildung 1: Mit einer Energie Community teilen Mitglieder überschüssigen Solarstrom mit anderen Mitgliedern.

Diese gelagerte Energie kann an einen anderen Haushalt aus der Community „verschoben“ werden. Eine Energie Community spricht also nicht nur Erzeuger an, sondern auch Verbraucher. Gesteuert wird das Ganze durch eine Zentrale, die vom Anbieter bereitgestellt wird.

Bei einer Energie Community handelt es sich um ein geografisch beschränktes Gebiet. Dabei kann die Größe des Gebiets variieren: von einer kleinen Nachbarschaft in einem Ortsteil bis hin zu einer ganzen Kleinstadt.

Welche Rolle spielen Stromspeicher?

Die Menge des erzeugten Stroms und der Bedarf an Strom decken sich leider nicht, da Solaranlagen den meisten Strom oftmals nachmittags produzieren, aber Haushalte eher morgens und abends am meisten Strom benötigen. Zu diesen Zeiten wird wiederum nicht genug produziert. Ein Solarstromspeicher schafft Abhilfe, da die produzierte Energie gespeichert wird und später zum Einsatz kommt.

Bei einer Energie Community gibt es einen zentralen Nachbarschaftsspeicher, in dem der von den Haushalten erzeugte Strom gespeichert wird. Die gesamte Community kann dann auf den erzeugten Strom zugreifen.

Wie funktioniert eine Energie Community?

Es existieren zwei Varianten für die Funktionsweise einer Strom Community. Bei der ersten Variante wird ein zentraler Energiespeicher verwendet. Der eigene Strom wird im Speicher aufbewahrt und bei Nichtgebrauch an andere verteilt. Aber wie genau funktioniert das Ganze? Der Strom wird durch eine Photovoltaikanlage produziert und ohne Verluste zu anderen Verbrauchern transportiert, die den Strom benötigen. Der Transport verläuft wie folgt: Der produzierende Haushalt speist den nichtverbrauchten Strom in das Stromnetz ein, sodass ein anderer Haushalt den Strom vom Speicher einbeziehen kann.

Bei der anderen Variante einer Energie Community gibt es keinen zentralen Speicher. Hier erfolgt der Energiebezug direkt vom Nachbarn. Über eine Handelsplattform wird Energie angefragt und gehandelt. Jeder Haushalt der Community wird mit einem intelligenten Stromzähler und einem Gateway ausgestattet, das für die Verbindung aller Zähler benötigt wird. So kann nachvollzogen werden, welcher Haushalt von welchem Nachbarn Strom bezieht. Sobald die Hardware angebunden ist, ist die Plattform in der Lage, den Energieverbrauch und die Energieerzeugung kontinuierlich zu verbessern. Die Haushalte, die zur Energieerzeugung der Community beitragen, erhalten eine kleine Vergütung.

Eine Strom Community versucht komplett unabhängig zu sein. Doch wenn der erzeugte Strom der Community nicht für alle ausreicht, wird die Strommenge mit 100 % Ökostrom ausgeglichen, sodass jeder Haushalt immer genug Strom hat. In der Praxis sind also noch Kraftwerke nötig, die wetterunabhängig Strom erzeugen und den Grundbedarf decken können. Unter solche Kraftwerke fallen bspw. Wasser- oder Biomassekraftwerke. So können sich alle Community-Mitglieder sicher sein, dass sie ausschließlich grünen Strom beziehen.

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So funktioniert die zentrale Koordination

Damit sich nicht jeder Haushalt selbst um die Stromversorgung kümmern muss, wird alles vom Anbieter koordiniert. Dieser kümmert sich um den Verbrauch, die Erzeugung und die Optimierung aller Prozesse. Das Unternehmen steuert die Energieversorgung je nach Bedarf. Wenn also ein Haushalt mehr Strom produziert als benötigt wird und ein anderer Haushalt aus der Community gerade Energie benötigt, um bspw. das E-Auto zu laden, steuert das Unternehmen die Versorgung über die Plattform.

Für einen genauen Überblick baut der Anbieter der Community bei jedem Teilnehmer einen eigenen Zähler ein, mit dem alle ein- und ausgehenden Strommengen erfasst werden. Außerdem kann jeder Haushalt sein Energieverhalten mithilfe einer App einsehen. Hier sehen Privatpersonen Informationen zum Energiemix und in anonymisierter Form auch ein Reporting des Verbrauchs der gesamten Community.

Energie Community

Abbildung 2: Über eine App können alle Community-Mitglieder ihren Energieverbrauch einsehen und somit nachhaltiger handeln.

Ein Beispiel aus einer Energie Community

Das Unternehmen shine startete Ende 2019 die erste deutsche Energie Community in der bayrischen Gemeinde Brunnthal. shine will in der Gemeinde die Energiewende starten, indem die Gemeinschaft mithilfe einer intelligenten Stromsteuerung CO2-neutral versorgt wird. Die grüne Stromversorgung geschieht durch selbsterzeugten Überschussstrom und falls dieser nicht ausreicht, wird Strom verwendet, der aus 100 % erneuerbaren Energiequellen stammt.

Das Unternehmen bietet der Stadt somit innovative Energietechnologien: vom virtuellen Kraftwerk über das Energie-Management bis hin zur Strom-Tarif Strukturierung. Dabei werden die Mitglieder der Strom Community dazu ermuntert, ihren eigenen Strom zu erzeugen. Durch das Teilen des eigenen Stroms können nämlich Energiekosten gesenkt werden und sie erhalten gleichzeitig einen Bonus von bis zu drei Cent pro Kilowattstunde.

Mit intelligenten Stromzählern, die Daten zum Stromverbrauch und zur -erzeugung sammeln, entsteht ein großer Datensatz, den das Unternehmen mithilfe von künstlicher Intelligenz auswerten möchte. So erhält shine das Wissen, wer Strom erzeugt, wer Strom benötigt und wer noch über genug Akkukapazität verfügt.

Das Ziel von shine ist es, die Brunnthal Energie Community langfristig CO2-neutral zu versorgen, damit die Community Mitglieder unabhängig werden und sich als Vorbild für alle anderen geplanten Strom-Community-Projekte in ganz Europa zeigen.

Diese Vorteile bietet eine Energie Community

Der größte Vorteil einer Energie Community ist die Umweltfreundlichkeit. Selbsterzeugter Strom wird nicht von einem Haushalt „gelagert“, sondern bietet anderen einen besseren Zugang zu grünem, von Privathaushalten erzeugtem Strom. Somit steht einer CO2-neutralen Stromversorgung nichts im Weg, da eine dezentrale Erzeugung besser für die Umwelt ist als eine zentrale Erzeugung. Da bei zu wenig verfügbarem Strom auf Ökostrom von anderen Anbietern zurückgegriffen wird, verzichten Strom Communities auf Strom aus Großkraftwerken.

Mitglieder solch einer Gemeinschaft profitieren von einer Energiekostensenkung, da sie Strom günstig von ihren Nachbarn erhalten. Außerdem vermarkten Haushalte ihren selbstproduzierten Strom und erhalten etwas Geld für Strom, den sie nicht verbrauchen. Durch eine App, die das Energieverhalten eines Haushalts visualisiert, werden diese dazu animiert, nachhaltiger zu agieren. Zudem sind Haushalte mit einer dezentralen Stromerzeugung viel unabhängiger als mit einer zentralen Erzeugung.

Fazit

Das Konzept einer Energie Community basiert auf dem Teilen von vor Ort erzeugtem Strom. Privathaushalte werden dazu animiert, ihren eigenen Strom zu produzieren, da diese ihren Überschussstrom an andere Mitglieder der Gemeinschaft vermarkten und somit etwas Geld verdienen können. Andere Mitglieder der Community profitieren von einer dezentralen Energieerzeugung und gehen einen wichtigen Schritt in Richtung CO2-neutraler Produktion. Derzeit stecken viele Projekte noch in den Kinderschuhen, die jedoch das Potenzial haben, das Energiemodell der Zukunft zu werden.

Haben Sie Fragen zur Energie Community? Dann stellen Sie mir diese gerne. Ich freue mich auf den Kontakt.

Christian Jäger

Christian Jäger

Jeden Tag besser werden - daraus ziehe ich eine große Motivation. Ich brenne dafür, neue Strategien und Technologien kennen zu lernen und Projekte zum Erfolg zu führen. Das Wissen, welches ich jeden Tag erlange, gebe ich mit Begeisterung an andere Menschen weiter.

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